IG OFM


Rasse
Hengste
Buch
Fremdblut...
Verkaufspferde
Aktivitäten
Berichte
Fotos
Sportresultate
Shop
Pinboard
Adressen
E-Mail
Verein
Beitritt
Links
Français
Italiano
English

Eine ungewöhnliche Einkreuzung, praktisch vergessen, obwohl sie bis heute sehr präsent ist

Die Freiberger haben regelmässig von Einkreuzungen mit Fremdblut profitiert und das schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Für die Kreuzungen wurden einheimischen Freiberger-Stuten mit fremden Hengsten gedeckt.

Ungarische Nonius-Stuten
Die hier beschriebene Einkreuzung verlief etwas anders. Jean Gerber, Verwalter der Domaine de Bellelay, kaufte in den Vierzigerjahren zwei ungarische Stuten, Priska xx, Jahrgang 1938, und Troïka xx, Jahrgang 1936, mit Abstammung Nonius. Beide waren Glanzrappen.

Herr Gerber liess diese ungarischen Stuten mit Freibergerhengsten der Station Bellelay decken. So gebar Troïka xx am 24. März 1946 das Stutfohlen Téa von Jurassien.

Téa, Mutter von Rommel
Téa 1699 der Genossenschaft Bellelay wurde später Hengstmutter und gebar drei anerkannte Hengste aus der R-Linie:

Troïka xx ist auch die Mutter des Hengstes Jasir von Jurassien, Jahrgang 1953.

Was ist die Rasse Nonius?
Der Nonius ist eine ungarische Warmblutpferderasse, die im Gestüt Mezöhegyes begründet wurde. Der Stammvater der Rasse war ein französischer Hengst namens Nonius, der 79 Hengst- und 122 Stutfohlen hatte.

Die Geschichte des Nonius
Nonius I, der Stammvater der Rasse, wurde 1810 in Frankreich (Calvados) geborenen, aus einer normännischen Stute und einem englischen Halbblut-Hengst. Während der napoleonischen Kriege wurde er vom französischen Gestüt Rosières zum ungarischen Staatsgestüt Mezöhegyes gebracht. Dort brachte er 15 Zuchthengste aus anglo-normännischen, arabischen, kaukasischen, Holsteiner-, Lipizzaner-, spanischen und türkischen Stuten. Die meisten Nonius, Hengste oder Stuten, sind ein Resultat von starker Inzucht. (Indem Nonius gewisse seiner sorgfältig ausgesuchten Töchter deckte, wollte das Gestüt Mezöhegyes durch Inzucht die charakteristischen Eigenschaften des Stammvaters Nonius fixieren, nicht nur in seinen Enkelinnen, sondern auch bei seinen Enkeln).Die Rasse war geboren.

Nach 1860 wurden englische und arabische Vollblüter verwendet, um die Rasse zu veredeln.

Heute ist das Hauptzuchtzentrum der Nonius im Gestüt von Máta im Nationalpark Hortobágyi. Etwa 300 Pferde leben dort halbwild rund um die Ställe. Sie sind treue Kameraden der Reiter, die ihre Traditionen und Reitkünste erhalten wollen.

Eigenschaften
Der Nonius ist ursprünglich ein gutes Reit- und Hütepferd, das sich heute im Reitsport beweist.

Grösse:von 1.45 bis 1.65m.
Farbe:meist Rappen und Braune.
Charakter:Es ist ein ruhiges Pferd und einfach im Umgang. Sehr willig und deshalb ein ausgezeichnetes Freizeitpferd. Es besitzt auch gute Eignung als Sport- und Springpferd.
Erscheinungsbild: Der Nonius ist ein kleines, robustes und ausdauerndes Pferd. Es hat einen langen Kopf mit breiter Stirn, leichter Ramsnase und grossen Augen. Es hat kräftige Schultern, eine starke Hinterhand und kurze Glieder mit starken Knochen.

Rommel
1982 schrieb Arthur Juillerat, Verwalter von Bellelay, in seinem Buch «75 ans de passion pour le cheval» (75 Jahre Pferdeleidenschaft):

«Der Hengst Rommel, Jahrgang 1960, Braun, 157 cm, von Rosius und Jurassien. Geboren und aufgezogen in der Domaine de Bellelay stammt Rommel über seine Mutter Téa vom Hengst Nonius 7 ab, aus dieser ungarischen Warmblutlinie Nonius».

«Diese Rappstuten mit ihrem aussergewöhnlichen Temperament, die einen in Rekordzeit mit Kutsche oder Schlitten zum Bahnhof Tavannes oder Glovelier oder sogar nach Saignelégier brachten, sind allen Älteren der Region noch in lebhafter Erinnerung. Über Rocambole wird dieses Blut in einigen guten jungen Hengsten weitergeführt.»

Einfluss bis heute
2014, fast siebzig Jahre nach der Geburt von Téa 1946, ist das Blut ihrer Mutter Troïka in den Abstammungen von zahlreichen Freiberger-Zuchthengsten aus praktisch allen Linien verewigt. Gemäss einer Liste von Herrn P.-A. Poncet handelt es sich um 154 Hengste, wovon 78 noch leben und in der Freiberger-Zucht verwendet werden. Um es einfach zu machen: alle Hengste, die Eiger oder Hobby in ihrer Abstammung haben, führen Blut der Stute Troïka (teilweise bis 10 Generationen zurück).

Eiger

Hobby

Unter den aktuellen Zuchthengsten findet man teilweise in der Abstammung zweimal die Stute Troïka, nämlich bei: Enduro d'l'Ecurie des Couleurs; Harmonieux; Hayden PBM (Schwarzallel); Hélixir; Helvetica; Hidao; Natif des Aiges; Nielsen; Nitendo; Norton; Noucky und Novartis. Der Sieger des Stationstests 2014, Ethan, führt sogar dreimal Troïka in seiner Abstammung. Fast alle diese Hengste haben einen dunklen Ton in der Fellfarbe, ob Fuchs, Braun oder Schwarz.

Hayden PBM (Schwarzallel)

Ethan mit Züchter Fabrice Theurillat und dem Eigentümer Jean-Philippe Cattin; Foto: Christian Galley

Um wie viel Fremdblut geht es?
Interessanterweise handelt es sich um 0% Fremdblut. Die Stute Téa, die eigentlich 50% Fremdblut hatte (FM x Nonius), wird mit einem Fremdblutanteil von 0% eingestuft, weil sie vor 1950 geboren wurde, wie auch ihre Nachkommen von FM-Hengsten, Renard, Romain und Rommel, die tatsächlich 25% Fremdblut haben. So ist die Realität manchmal ganz anders als die Theorie.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Freibergern und Nonius?
In der Abstammung von «Vaillant», der heute als Gründer der Freiberger gilt, findet man väterlicherseits Léo I, ein importiertes englisches Halbblut, geboren 1863 in England und in Corgémont stationiert von 1869 bis 1884. Die Grossmutter von Vaillant väterlicherseits, die Stute Poulette FM ist auch mütterlicherseits seine Grossmutter.

Wie bei Nonius ist das englische Halbblut auch in der Abstammung von Vaillant vorhanden. Vaillant weist eine Abstammung mit hohem Verwandtschaftsgrad (Inzuchtgrad) auf. Das hat dazu beigetragen, seine Qualitäten mit Erfolg an seine Nachkommen weiterzugeben.

Schlussfolgerungen
Die Freibergerzucht ist laufend auf der Suche nach Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen, die die Freiberger-Zuchtleitung beschäftigen: Die Freiberger-Population zu erhalten; den Inzuchtgrad zu bremsen bzw. die genetische Vielfalt der Rasse zu bewahren; Pferde mit gutem Charakter und guten Gängen zu züchten und aufzuziehen nach den Anforderungen aus dem Sport und Freizeitbereich; und Einigkeit unter den Züchtern zu erhalten. Wenn man die Zahl der Freiberger betrachtet, die heute noch Nonius-Blut in ihrer Abstammung führen, ist die Einkreuzung mit Nonius gut gelungen.

Müssen wir heute wieder einkreuzen? Der Kluge hat Antworten auf diese Frage bereit. Louis Jobin, ein Tierarzt, schrieb in seiner Dissertation «Das Pferd des Jura» über Einkreuzungen: «Natürlich müssen wir vorsichtig sein, mit Blut zu spielen wie mit einer Feuerwaffe, etc...».

Mit diesen Zeilen kann ich hoffentlich den Einfluss von Nonius-Blut in der Freibergerrasse beleuchten und den Züchtern in Erinnerung rufen.

Text: Jean-Pierre Graber Übersetzung: Stefanie Meier

Seitenanfang

IG OFM
Interessengemeinschaft zur Erhaltung
des Original Freiberger Pferdes